Gambia: Meine Leidenschaft für dieses westafrikanische Land und meine Freunde - Homepage von Angela Thomi Schneider
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Afrikanisches in Bern
Nursery-School Projekt



  Gambia Unser Freund Samba
Unsere Freundin Saffie
African Wedding Party
Zahlen und Fakten
Ein Ausflug

Woher kommt meine Leidenschaft für Gambia?


Es war Dezember 1991, es war neblig und die Kälte drang durch alle Ritzen. Ich und Bernhard hielten es in der eiskalten Schweiz nicht mehr aus und durchstöberten die Reiseprospekte mit den himmlischen Badesträndenfotos. Zwei Kriterien standen im Vordergrund: heisses Klima und kurze Anreise. Gambia war mit seinen 30 Grad (25 Grad Wassertemperatur) und 6 Stunden Flugreise geradezu prädestiniert für unsere Ferien.

Unsere Freunde und wir

Wie lernten wir unsere gambischen Freunde kennen?

Als wir dann am ersten Abend am Strand entlang spazierten und den Sonnenuntergang genossen, kam eine junge, aufgestellte Frau auf uns zu und wollte uns Früchte verkaufen. Wir vertrösteten sie auf "Morgen". Als wir dann am nächsten Tag wieder am Strand spazierten, kam sie erneut auf uns zu und erinnerte uns an unser Versprechen. So wurde Saffie unser täglicher Früchtelieferant.

Einmal konnten Bernhard und ich nicht einschlafen. Es war bereits nach zwei Uhr morgens und so beschlossen wir, einen kleinen Streifzug ums Hotel herum zu machen. Beim Tor zum Strand stiessen wir dann auf einen Security-man vom Hotel. Er verspeiste gerade Erdnüsse, und bot uns auch welche an. Wir kamen bald ins Gespräch und so erfuhren wir eine ganze Menge über das Land, die Leute und die Politik in Gambia. Vieles konnten wir zu dieser Zeit noch nicht richtig einordnen. Für uns war es eine fremde, aber interessante Welt. So lernten wir also Samba kennen.

Nach einer Woche hiess es dann leider schon Abschied nehmen. Doch für uns stand fest: wir wollten wiederkommen, wir wollten versuchen, die Menschen und ihre Kultur und Handlungsweisen zu verstehen und wir wollten das Land besser kennenlernen. Das Africa-Fieber hatte uns gepackt.

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Wieder in Gambia

Afrika-Karte

So reisten wir also Weihnachten 1992 wieder nach Gambia. Wir waren gespannt, wie es wohl unseren beiden gambischen Freunden in der Zwischenzeit ergangen ist.

SAMBA

Samba arbeitete noch immer im Hotel und erkannte uns gleich wieder. Er hatte viel zu berichten und wir hörten ihm gespannt zu. Samba kommt vom Lande, er gehört dem Stamme der Mandinka an und ist Moslem. Er hat zwei Frauen und neun Kinder. Anfangs hatte ich als Frau Mühe, diese doch so andere Lebensart zu verstehen und zu akzeptieren. Doch ich habe gelernt, nicht alles mit meinen europäischen Werten zu messen, sondern anderen Lebensarten offen gegenüberzutreten. Samba beispielsweise hat nicht zwei Frauen als Statussymbol, sondern weil sein Bruder gestorben ist und eine Frau mit vier kleinen Kindern hinterliess. Für alle Beteiligten war eine Heirat die beste Lösung. Die vier Kinder behandelt Samba wie seine eigenen, stolz sendet er uns jeden Herbst deren Schulnoten und motiviert sie zu guten Leistungen.

Mit der Gleichbehandlung der Frauen ist es ein bisschen schwieriger (Saffie sagt immer: two wives, two problems...). Mit mir spricht Samba nicht darüber, höchstens mit Bernhard bei Männergesprächen! Zu sagen ist noch, dass in Gambia die Frauen sehr selbständig und selbstbewusst sind. Vielfach besitzen sie eigene Felder, verkaufen die Ernte auf dem Markt und haben so ihr eigenes Geld.

Einladung bei Samba: Samba hat uns zum Essen eingeladen. Bis jetzt waren wir nur die europäisierte Hotelkost gewohnt. Wir fragten uns, ob wir uns auf so ein Experiment einlassen sollten. Da wir gegen alle möglichen Krankheiten geimpft waren, konnte ja eigentlich nicht viel passieren; die Neugier siegte. Als wir dort ankamen, war der erste Eindruck ganz anders, sprich viel ärmlicher, als wir uns das vorhin im Auto noch ausgemalt hatten. Kein Strom (kein Licht), kein fliessend Wasser, die Küche vor dem Haus, ein "afrikanisches WC " und viele viele Kinder, die uns alle die Hand schütteln kamen. In allen Räumen standen grosse Betten, über dem Eingang war ein "Stop Aids"-Plakat aufgehängt. Heute weiss ich, dass sich der europäische Standard (wie z.B. eine Waschmaschine, eine Dusche oder ein Fernseher) nur die Elite-Verdiener der Gambier leisten können. Da waren wir also und staunten. Für die Gambier schien es ein genauso grosses Ereignis zu sein, denn viele Nachbarn kamen vorbei. Bernhard und ich hatten grosse Mühe, all die Menschen auseinanderzuhalten und der richtigen Familie zuzuordnen.

Das Essen wurde in riesigen Schüsseln von den Frauen und Kindern gebracht. Es roch fantastisch gut: Reis mit Fleisch an Erdnusssauce (Domoda). Bernhard und ich bekamen einen Löffel, die anderen assen mit den Fingern. Dazu nahmen sie mit den Fingerspitzen das Reis mit der Sauce in die Handballen und formten und kneteten Kugeln daraus. Diese konnten sie dann mühelos in den Mund stecken. Ich durfte bei den Männern essen, die Frauen mit den Kindern assen nebenan an einer anderen Schüssel. Die Sauce war gut gewürzt, das Reis aromatisch. Ich beschloss, dass Domoda (Rezept) eines meiner neuen Lieblingsgerichte werden sollte.

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SAFFIE

Saffie konnten wir lange nicht entdecken. Die anderen Marktfrauen erzählten uns, dass sie um die Weihnachtszeit immer in die Kirche gehe. Saffie ist in der Stadt aufgewachsen, sie ist vom Stamm der Jola, ist Christin und hat zwei Kinder. Als wir sie dann endlich entdeckten erschraken wir. Sie hatte keine Schuhe, ihre Haare und die Kleider machten einen ärmlichen Eindruck.

Da wir kleine Mitbringsel bei uns hatten, fragten wir sie, ob sie Kinder habe. So kamen wir mit Saffie ins Gespräch. Sie erzählte uns, dass ihr Mann an einem Magenleiden (durch die einseitige Ernährung mit Reis sind Magenleiden häufige Todesursachen) gestorben sei. Nun musste sie sich und ihre zwei Kinder alleine durchschlagen. Am nächsten Tag brachte sie Luisa, ihre damals sechsjährige Tochter mit. Bernhard und ich verliebten uns sofort in das hübsche unternehmungslustige Mädchen. Luisa war eigentlich schon im Alter in dem andere Kinder zur Nursery School gingen. So wie die Lage war, würde Luisa nie eine Schule besuchen können (Saffie selbst ging nur bis zur 3. Klasse zur Schule). Die Schule kostet eigentlich nicht viel Geld, das Drumherum (Uniform, Schuhe, Transport, Schulzeug usw.) ist "teuer", so dass das Einkommen von Saffie nicht reichte. So entschlossen wir uns spontan, die Schulkosten für Luisa zu übernehmen.

Im nächsten Jahr sahen wir, dass wir damit nur einen Tropfen auf den heissen Stein "gesprüht" hatten. In der Zwischenzeit war auch Saffies Grossmutter, bei der sie gewohnt hatte, gestorben. Ein Besuch in ihrem neuen "Haus" bestätigte das Bild: Saffie wohnte mit ihren zwei Kindern in einem stallähnlichen Zimmer. Es war ein Anbau an ein bestehendes Haus, etwa 10 Quadratmeter gross, ohne Fenster und mit einem kaputten Dach. Im Zimmer hatte ein Bett und ein kleines Tischchen Platz.

LuisaBernhard und ich berieten, wie wir Saffie und den Kindern am besten helfen konnten. Wir beschlossen deshalb, anstelle der üblichen Spenden an diverse Hilfswerke, das Geld in Gambia sinnvoll einzusetzen. Zum einen wollten wir Luisa weiterhin die Schule ermöglichen und zum anderen sollte Saffie wieder auf die Beine kommen. Auf einer Bank in Serrekunda eröffneten wir für Saffie ein Konto, worauf wir Geld einzahlen konnten. Da sie Analphabetin ist, musste sie mit einem Fingerabdruck unterschreiben. Im Nachhinein können wir behaupten, das Geld gut angelegt zu haben. Saffie wohnt heute in einem eigenen Compound und besitzt ein paar eigene Möbel.

Bei unserem zweiten Besuch in Gambia lernten wir auch Saffies Sohn Musa kennen. Er war zwei Jahre alt, lachte wenig und weinte viel. Saffie erzählte uns, dass er kurz nach der Geburt Malaria bekam und schwer krank wurde. Saffie meinte, dass er sterben würde. Wir hatten grosse Mühe zu glauben, dass ein Kind, das nicht sichtlich krank war einfach so sterben solle. Doch da unterschätzten wir wieder einmal die Verhältnisse in Afrika. Die Kindersterblichkeit ist sehr hoch. Die Lebenserwartung eines Mannes in Gambia ist 42 Jahre (CH: 74 J) und diejenige einer Frau 45 Jahre (CH: 81 J). Als Musa 5 Jahre alt war, wurde er richtig krank und starb nach einem längeren Krankenhausaufenthalt. Seine Kräfte waren doch einfach zu wenig gross für die Anforderungen eines afrikanischen Lebens. Obwohl Saffie damit rechnete, dass ihr Sohn sterben würde, war sie sehr traurig und weinte viel.

Heute hat Saffie drei Kinder. Zuerst kam ein Sohn - er heisst Bernhard, war die ersten paar Jahre kugelrund und hat grosse schwarze Augen. Als er noch klein war, hatte er die Europäer überhaupt nicht geliebt. Jedesmal, wenn wir ihm zu nahe kamen, hat er gleich zu schreien angefangen. Mit der Zeit hat sich das gegeben: er wagte nicht mehr zu schreien - er wäre sonst von Mutter und Schwester gleich ausgelacht worden (eine afrikanische Methode der Erziehung, die wir in manchen Familien beobachtet haben). Die Kleinste ist wieder eine Tochter: sie heisst Angela (eine afrikanische Tradition, die Kinder nach Freunden zu bennen - wir wissen diese Ehre zu schätzen), ist ebenfalls kugelrund und guckt ganz interessiert in die Welt hinaus. Bernhard geht seit seinem dritten Lebensjahr in eine Nursery School, hat also einen viel besseren Einstieg erhalten als Luisa, die - obwohl sie schlechte Startbedingungen hatte - es jedes Jahr schaffte, eine Klasse weiter zu kommen. Sie geht jetzt in die 9. Klasse und als wir sie fragten, was sie in Zukunft machen wolle, sagte sie «job and money, not husband and children». Jedesmal, wenn wir nach Gambia gehen besuchen wir die Kinder in der Schule und sind mächtig stolz auf "unsere Tochter" und "unseren Sohn". Sie wiederum sind auch stolz, solche europäischen "Eltern" zu haben, die einen Schulbesuch machen.

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Mandinka Wedding Ceremony

Heirat in Gambia

Bernhard und ich beschlossen zu heiraten. Da unser Zusammenleben nicht sehr konventionell verläuft, grauste uns vor einer traditionellen Heirat in der Schweiz. So kamen wir auf die Idee, in Gambia, unseren zweiten Heimat, zu heiraten. Im Sommer 1996 begannen wir mit den Vorbereitungen: Aushängen der Heiratsanzeige am Wohnort und am Heimatort, offizielle Beglaubigung der Dokumente durch den Konsul von Gambia und Reisevorbereitungen.

Am Freitag den 13. Dezember 1996 trafen wir dann in Gambia ein. Bernhards Eltern, die wir mit unserem Gambia-Fieber angesteckt hatten, begleiteten uns schon zum zweiten Mal. Als wir am Wochenende unseren Freunden von der geplanten Heirat erzählten, beschlossen diese, dass dies nur mit einer echt afrikanische "wedding ceremony" gehe! Sie begannen sofort eifrig mit Vorbereitungen. Jedes Familienmitglied bekam eine Aufgabe. Es wurde organisiert, gekocht, geschneidert und Tische, Stühle und andere Sachen ausgeliehen. Wir mussten eigentlich nur noch entscheiden, ob zum Mittagessen ein Schaf oder eine Ziege geschlachtet werden solle. (Wir entschieden uns für das Schaf).

Samba begleitete uns am Montag Nachmittag zum Standesamt. Afrikanische "Kadis" (eine Art Friedensrichter) machen es sich leicht: Da wir lesen und schreiben können, mussten wir den Heiratsschein im grossen Heiratsregister-Buch selber ausfüllen. Als Brautpreis diktierte er uns 1000 Dalasi (Wert von 2 Schafen, ca. Fr. 140.-). Als wir uns die vorherigen Heiratsscheine anschauten, merkten wir, dass ich die weitaus teuerste Braut war!

Am Mittwoch, unserem Hochzeitstag, wurden Bernhard, ich und die Eltern mit einem festlich geschmückten Auto abgeholt. Laut hupend fuhren wir zu Saffie's Compound um einen Bus voll Leute abzuholen. Diese hatten Pop Corn und einen grossen Korb voll Fischplätzchen gebacken. Als wir dann zu Samba kamen staunten wir nicht schlecht! Überall roch es fantastisch nach Essen, ein Generator erzeugte Strom, ein Video wurde gedreht und ein Trommler sorgte für Stimmung. Viele Leute (mehrere hundert) waren anwesend, wir kannten nur einen Bruchteil davon! Es wurde viel gelacht und getanzt. Nach dem Mittagessen wurden Bernhard und ich für die Zeremonie eingekleidet. Zusätzlich zu den grünen Hochzeitskleider (die übrigens die ganze Familie trug) bekamen wir weisse Tücher um Kopf und Hüften geschlungen. Dazu eine rauchig riechende Kette um den Hals. Die Zeremonie begann! Wir wurden hinausgeführt. Meine Brautjungfer wies mich in Mandinka an, auf den Boden zu schauen. Natürlich siegte die Neugier und ich blinzelte ab und zu in die Menschenmenge. Samba hielt eine Rede, dann begannen die Heiratstänze und -gesänge. Auch wir mussten unsere Tanzeinlage geben. Und es war heiss! An diesem Tag stieg das Quecksilber auf 35°.

Als der Abend einbrach gab's einen Stilwechsel. Nach der traditionellen Zeremonie, die von Samba organisiert worden war, kam der moderne Teil von Saffie. Jetzt war die Zeit für die Jugend gekommen. Ein DJ sorgte (dank dem Stromgenerator) für moderne Musik. Dazu blinkten die verschiedenfarbigen Glühbirnen gegen den Abendhimmel - in einem Quartier, in dem sonst nur Kerzenlicht und Oellampen die Nacht erhellen. Ausgelassen tanzten wir alle bis nach Mitternacht. Dann wurden wir mit dem festlich geschmückten Auto wieder nach Hause gebracht.

Wir hatten eigentlich an ein stimmiges Nachtessen mit unseren afrikanische Freunden gedacht, als wir uns für die Hochzeit in Gambia entschieden. Manchmal hatten wir auch ein schlechtes Gewissen, dass unserer Freunde so viel unternommen hatten für uns. Aber das sie auch ihre Familien und Freunde einladen konnten (gewagte Schätzungen gehen bis zu 500 Gästen), hat dieses Fest in einem Land, wo es damals noch kein Fernsehen gab, wohl mindestens ebensoviel Freude gebracht wie uns.

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Gambia: Zahlen und Fakten

Hauptstadt: Banjul, 44'000 Einwohner
Lage: 14° - 17° westliche Länge / 13° - 14° nördliche Breite
Fläche: 11'295 km2 (Agrar: 18%, Wald: 16%, Weide: 9%, Sonstige: 57%)

Bevölkerung/Soziales
Einwohner: 1992: 921'000, 2000: 1'132'000
Lebenserwartung: Frauen: 45 J, Männer: 42 J
Altersaufbau: 0 - 14J: 44%, 15 - 59J: 51%, über 59J: 5%
Entwicklungsstand: Urbanisierung: 22%, Alphabetisierung: 27%,
Religionen: Moslems: 95,4%, Christen: 3,7%, Sonstige: 0,9%
Ethnische Gruppen: Mandinka: 40,4%, Fulbe: 18,7%, Wolof: 14,6%, Jola: 10,3%, Soninke: 8,2%, Sonstige: 7,8%
Städte: Serrekunda: 100'000 E / Banjul: 44'000 E / Brikama: 24'300 E

Aktuelle Schlagzeilen (englisch) und Links zu Gambia
Gambia: Links und News

Ein empfehlenswerter Ausflug: Tanje Village Museum

Ein lohnender Ausflug für Gambia-Reisende: Das Tanje Village Museum - eine echte gambische Natur- und Kultur-Erfahrung. Das Museum gibt Einblick in das Leben in Gambia in früherer Zeit. Es liegt in der Nähe der Küste und ist von den Hotels aus in weniger als einer Stunde zu erreichen
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